Jazz

Über den dunklen Straßen des Viertels weht der faulige Geruch von Müll. Männer reichen, in einer Gasse hockend, eine Flasche weiter. Eine Frau tritt nach einem Straßenköter, der sich an ihren paar Habseligkeiten zu schaffen macht. Kinder spielen mit einer rostigen Blechdose Fußball. Sie schreien durcheinander und erschrecken dabei ein kleines Mädchen, das eine Puppe in ihren Armen hält.

Es riecht nach Kot und Tod.

Drüben, nur wenige Meter entfernt, wo die Reklametafeln blitzen, ein wildes Durcheinander der Farben. Da ein Tourist, der fotografiert, hier ein eilender Geschäftsmann auf dem Weg zur Börse. Straßenhändler übertrumpfen sich im Schreien ihrer Slogans. Eine alte Frau geht tief gebeugt und trägt schwer an ihren Taschen. Das Liebespaar an der Bushaltestelle umarmt sich lebenshungrig und findet sich in einem Kuss.

Verloren steht ein junger Schwarzer vor der Glasfassade eines Kaufhauses.

Er spielt Saxophon. Sein ganzer Körper schwingt im Rhythmus seiner heißen Musik.

Die Welt um sich herum hat er scheinbar vergessen.

Es ist vier Uhr an diesem sonnigen Nachmittag.

© Ralph Jenders ,Das Gewicht der Dinge‘, 2026

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