(für Jack Kerouac)
Im Vesuvio-Café, an der Columbus Avenue in San Francisco, Kalifornien, saßen, an einem Nachmittag im Mai, Jack und ich an der Bar und tranken Bier.
Jack erzählte von seinen vielen Reisen und der Zeit, als er als Brandwache in der Einsamkeit und Stille des Mount-Baker-Nationalforst, im Kaskadengebirge, für einige wenige Monate seines kurzen Lebens gearbeitet hatte.
Er fragte mich, was ich vor hätte mit dem, was noch an Leben kommt. Ich sagte ihm, dass ich noch immer, auch wenn es schon blöd klingt, Schriftsteller werden wolle und dass ich auch einiges dafür getan hätte, aber mit Lyrik in der heutigen Zeit nichts mehr zu bestellen sei!
Er lachte und nickte nur zustimmend und bestellte mehr Bier.
Draußen wurde es langsam dunkel und Massen von Menschen, die Jack kannte, strömten in das Vesuvio um, Jazz zu hören, zu plaudern und Bier und all’ so ‘n Zeugs zu trinken.
Sie spielten heute Abend die ganzen Bebop-Sachen von Bird, und viele Leute waren schon echt high!
Wir haben ewig dort gesessen und über Gott und die Welt philosophiert: dabei massenhaft Blödsinn erzählt und mit Tränen in den Augen über die ernsten Dinge unserer reichlich unterschiedlichen Leben nachgedacht.
Jack ist dann irgendwann verschwunden. Er wollte sich mit Dean und ein paar anderen treffen. Wahrscheinlich in einer dieser vielen Jazzkneipen in San Francisco.
Ich war müde, ging nach Hause und schnappte mir Jacks letztes Buch …
Darüber muss ich eingeschlafen sein!
© Ralph Jenders; aus ‚Die Ewigkeit des Augenblicks‘, 1997